Meine Erfahrung mit Covid in einer abgelegenen Gegend


Es war der Beginn des neuen Semesters. Die Junior High School hatte gerade ihr Programm an unserer Schule aufgenommen. Alle waren gespannt, wie es laufen würde. Die Schule hatte bereits die Bücher, die Kleidung und den sonstigen Bedarf an Schulmaterial vorbereitet. Die Schüler waren bereit und freuten sich alle sehr, und die Lehrer waren mit ihren Unterrichtsmaterialien vorbereitet. Es hätte alles nicht besser aussehen können


Jedoch nur, bis einer der Studenten und unser Koch die ersten Covid-Symptome zeigten. Nicht lange danach verlor fast die Hälfte der Dorfbewohner ihren Geruchssinn, und die Hälfte von ihnen hatte Fieber. Da wusste ich, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis Covid auch mich erreichen würde.


Die erste Woche

2-3 Tage nach den ersten Symptomen bekam ich hohes Fieber und leichte Kopfschmerzen, aber ich war mir nicht sicher, ob es Covid war, bis ich nach und nach meinen Geschmackssinn verlor. Es war ein schreckliches Gefühl, verbunden mit einer starken Übelkeit, die es mir erschwerte, etwas zu essen. Ich konnte nichts bei mir behalten und litt auch unter Durchfall. Zum Glück war gerade Ferienzeit, so dass ich den Unterricht nicht störte.


Die zweite Woche - 1

Ich konnte nicht mehr richtig gerade sitzen und begann zu halluzinieren. Die Schule war der Meinung, dass es für mich besser wäre, in einem Hotel isoliert zu werden, wo ich besser versorgt werden könnte und vor allem das Virus nicht weiter verbreiten würde. Also fügte ich mich und ging in die Stadt. Nicht nur ich, sondern auch 3 von 4 Lehrern waren Covid-positiv, so dass wir alle in die Isolation gehen mussten und der Schulbetrieb für etwa zwei Wochen auf Eis lag.


Die zweite Woche - 2

Ich fühlte mich wie ein wandelnder Leichnam, und es fiel mir schwer zu atmen, selbst wenn ich nur 3-5 Meter weit ging. Ich halluzinierte, dass ich Diamanten und Lichter sah, wenn ich das Licht ausschaltete. Alles, was ich tun konnte, war, an die Decke zu schauen und auf das Essen zu warten, das die Schule zubereitete, um sicherzustellen, dass ich richtig ass. Jeden Morgen sass ich vor dem Zimmer, um etwas frische Luft zu schnappen, obwohl ich durch den Rauch der Nachbarn gestört wurde, die direkt neben dem Hotel jeden Morgen und Nachmittag ihren Müll verbrannten.


Ich sagte, ich fühle mich besser, als die Schule sich nach meinem Zustand erkundigte, aber in Wirklichkeit, wenn ich jetzt noch einmal darüber nachdenke, war das nicht der Fall. Mein geistiger Zustand verbesserte sich zwar, aber mein körperlicher Zustand verschlechterte sich ohne Frage. Ich wusste, dass es für mich jetzt an der Zeit war, ins Krankenhaus zu gehen.


Man könnte fragen, warum bin ich nicht früher ins Krankenhaus gegangen? Nun, einer der Gründe war, dass ich von vielen Menschen beeinflusst wurde, aber der wahre Grund liegt in dem, was hier passiert, Dinge, die ich aus erster Hand gesehen und erlebt habe. Was für Dinge? Zum Beispiel, dass gewisse Lehrer nicht richtig schreiben können (auf Indonesisch) oder dass Andere nicht einmal die Grundrechenarten verstehen. Dies sind wahre Tatsachen, keine Märchen. Dies passiert immer noch, doch genau solche Lehrer bekomme eine Zulassung zum Unterrichten.


Worin besteht der Zusammenhang? Nun, wenn ein Lehrer eine Zulassung erhalten kann, ohne die Fähigkeit zum Unterrichten zu besitzen, könnte das auch bedeuten, dass bei Medizinern und Ärzten das gleiche Problem besteht? Meine Sorge gilt allerdings nicht der Ausbildung, sondern der Legitimität jeder Zertifizierung, einschliesslich derjenigen, die im Krankenhaus arbeiten. Ja, ich mache mir Sorgen um die Legitimität der Mediziner und Ärzte. Mit anderen Worten, ich zweifle an den Fähigkeiten der Ärzte in dieser Region. Werde ich die richtige Behandlung bekommen? Werde ich die richtigen Medikamente bekommen? Wird es schlimmer oder wird es besser werden?


Es mag übertrieben sein, wie ich mich fühlte, aber da mein Leben auf dem Spiel stand, konnte ich nicht so klar denken, wie ich es normalerweise tun würde. Am Ende entschied ich mich jedoch für die Option, die mir eine höhere Überlebenschance bot, nämlich die Behandlung im Krankenhaus.


Die dritte Woche - 1

Ich erzählte meiner Kollegin von meinem Wunsch, ins Krankenhaus zu gehen, und sie versuchte daraufhin, das Krankenhaus zu kontaktieren. Man sagte mir, ich bräuchte ein Empfehlungsschreiben von "Puskesmas" (einer kleineren Gesundheitseinrichtung), wenn ich eine Krankenhausbehandlung für Covid erhalten wollte. Da ich nichts Falsches tun wollte, was den Prozess verlangsamen würde, habe ich mich auf dieses Verfahren eingelassen. Es hat zwar funktioniert, aber es dauerte 1.5-2 Stunden, bis der Krankenwagen mich von der Puskesmas zum Krankenhaus brachte, was mich wütend machte, da die tatsächliche Entfernung nur etwa 2-3 km beträgt. In diesen 1.5-2 Stunden hatte ich das Gefühl, das Bewusstsein zu verlieren, da mir mir strikt befohlen wurde, eine Maske zu tragen, während ich schon Mühe hatte, auch nur normal zu atmen. Ich weiss, dass dies zum Wohle der anderen war. Aber ich hatte eigentlich gehofft, dass man mich mit Sauerstoff versorgen würde, anstatt mich zu quälen, da ich schon Schwierigkeiten hatte, normal zu atmen. Deshalb konnte ich, nachdem der Krankenwagen mich ins Krankenhaus gebracht hatte, nicht mehr alleine stehen. Sie musste mich hineintragen. Endlich war ich da, im einzigen Krankenhaus dieses Bezirks.


Aber halt, anscheinend war das Gebäude, das auf Covid spezialisiert war, gerade voll, so dass ich in einer Notaufnahme untergebracht und noch nicht als Krankenhauspatient registriert wurde. Als ich die Notaufnahme betrat, herrschte ein grosses Durcheinander. Die Krankenschwester hatte es nicht leicht, es waren Menschen mit verschiedenen Krankheiten da, von denen einige in Lebensgefahr schwebten. Die Krankenschwester versuchte, mir eine Infusion zu geben, doch sie brauchte drei Versuche, bei denen sie die Nadel immer wieder herausziehen und schliesslich mit der Handfläche drücken musste, um die Nadel korrekt zu stecken. Als sie es endlich schaffte, waren bereits 2 Stunden vergangen. Ich war dankbar, dass sie mir vor diesem Versuch Sauerstoff gegeben hatte.


Ich möchte betonen, dass diese gescheiterten Versuche nicht allein ihre Schuld waren, die Situation in der Notaufnahme war schrecklich. Ich konnte deutlich sehen, dass überall Blut war. Auf dem Boden, auf dem Vorhang, sogar auf der Kleidung der Krankenschwester. Ich vermute, dass man den Raum leicht mit einer Notaufnahme verwechseln könnte, wäre da nicht das Zimmerschild. Es gingen Leute ein und aus, während sie die einzige Krankenschwester war, die zur Verfügung stand. Ich konnte sie hierhin und dorthin rennen sehen. Als ich sie fragte, warum sie die einzige Krankenschwester war, sagte sie mir, dass die meisten von ihnen an Covid litten und sie im Moment die einzige verfügbare Person sei.


Während ich auf mein Zimmer wartete, dachte ich, es sei vielleicht ein guter Zeitpunkt, um meinen Freunden und Kollegen von Child Aid Papua mitzuteilen, wie es mir ging. Aber als ich mein Telefon einschaltete, gab es keine Internetverbindung. Da ich bereits kurz vor dem Abtransport durch den Krankenwagen eine Nachricht geschickt hatte, dachte ich, es sei in Ordnung, wenn sie noch nichts von mir hörten. Ich hätte geschrieben, wenn ich gekonnt hätte, aber ich hatte keine Verbindung. Ich würde bis zum nächsten Tag warten müssen, wenn ich mich stark genug fühlte, um vor das Gebäude zu gehen und ihnen mitzuteilen, dass es mir gut ging. Weil sie nichts von mir gehört hatten und ich noch nicht im Krankenhaus registriert war, dachte die Schule jedoch, dass ich bereits tot sei und dass sie meine Familie informieren müssten. Es stellte sich heraus, dass ich einen Aufruhr verursachte, weil ich nicht in der Lage war, sie zu informieren. Ich finde es immer noch seltsam, dass das Krankenhaus keinen Empfang hat und Patienten selber aus dem Gebäude rausgehen müssen, um Telefonempfang zu haben.


Trinkwasser

Am Abend wurde ich schliesslich von der Notaufnahme in ein normales Zimmer mit zwei anderen Patienten verlegt. Es gab keine Klimaanlage und die Wände und auf der Boden hatten Risse. Das erste, was ich als Patient erhielt, war Essen und Medikamente, aber kein Wasser. Zum Glück hatte ich noch Wasser aus dem Hotel dabei. Aber es würde nur bis zum nächsten Tag reichen. Die einzige Möglichkeit, Wasser zu bekommen, bestand darin, von ausserhalb des Krankenhauses welches zu bekommen, aber es gab ja keinen Telefon- oder Internetempfang, und zudem durfte niemand das Gebäude der Covid-Patienten betreten. Die einzige Möglichkeit war, meine Kollegen zu bitten, Wasser zu kaufen und es den Sanitätern vor dem Gebäude zu bringen. All diese Mühe, nur um als Patient etwas zu trinken zu bekommen. Ich weiss nicht, warum das Krankenhaus kein Wasser für seine Patienten bereitstellt, aber ich finde es eine Zumutung. Es gab Momente, in denen die Krankenschwester mit mir schimpfte, weil ich nichts ass und die Medikamente nicht einnahm, die sie mir gaben. Doch gleichzeitig stellten sie mir kein Wasser zur Verfügung, und ich musste warten, bis das Wasser von ausserhalb des Krankenhauses geliefert wurde. Ich war verwirrt und wütend, aber ich konnte nichts tun.


Mitpatienten und Krankenschwestern

Einer meiner Mitpatienten hatte psychische Probleme, er zog manchmal die Nadel seiner Infusion heraus und setzte sich in den Gang, der zur einzigen Toilette führte. Er weinte und stöhnte die ganze Nacht. Das Problem war, dass keine Familienmitglieder im Zimmer oder im Gebäude erlaubt waren, und es gab keine besondere Behandlung für Patienten mit psychischen Problemen. Normalerweise dauerte es ein paar Stunden, bis eine der Krankenschwestern ihm wieder zur Hilfe kam. Es war furchtbar, ich wusste nicht, was er mir antun würde, wenn ich versuchte, an ihm vorbeizukommen. Also wartete ich, bis er nicht mehr da war, um auf die Toilette zu gehen.


Mein anderer Zimmergenosse war ein Covid-Patient, der fast ständig Sauerstoff benötigte. Ich glaube, er war in einem schlechteren Zustand als ich. Aber fast jeden Tag fiel der Strom für etwa 30 Minuten aus. In diesen Momenten machte ich mir jeweils Sorgen wegen des anderen Patienten, der Sauerstoff brauchte. Würde er überleben? Würde die Krankenschwester rechtzeitig verfügbar sein? Man muss wissen, dass es im Zimmer keinen Knopf gibt, mit dem man die Krankenschwester rufen kann. Wir mussten zum Büro der Krankenschwester gehen, um Hilfe zu holen. Wenn z. B. die Infusionsflüssigkeit zur Neige ging musste ich zum Büro der Krankenschwester gehen, um eine neue Infusion zu holen. Auch wenn ich mich in einer kritischen Situation befand. Ich weiß nicht, ob das daran lag, dass es so wenige Krankenschwestern gab, oder ob das normalerweise auch so ist. Aber ich weiss, dass die Patienten darunter viel zu sehr leidern müssen.


Nicht nur Patienten mit psychischen Problemen. Der Flur war auch ein Ort, an dem für die toten Patienten gebetet wurde, bevor sie beerdigt wurden. Fast jeden Tag starben Menschen an den Folgen von Covid. Es war eine bedrückende Atmosphäre, sich in diesem Moment dort aufzuhalten.


Was war mit den Ärzten? Sie kontrollierten die Patienten alle 1-2 Tage. Manchmal wiesen sie die Krankenschwestern an, sich per Whatsapp zu melden. In den ersten drei Tagen hatte ich persönlich das Gefühl, dass die Behandlung sehr schlecht war und dies meinen Zustand nur verschlimmert hat.


Die dritte Woche - 2

Es vergingen 7 Tage im Krankenhaus mit vielen Leistungen und Behandlungen. Ich konnte nicht verstehen, warum die Behandlung der Patienten so schlecht war. Ich glaube sogar, dass Menschen aufgrund der schlechten Leistungen hätten sterben können. Nichtsdestotrotz verbesserte sich mein Zustand, bis zu dem Punkt, an dem ich einige Minuten gehen konnte, jedoch immer noch Probleme mit Atmen hatte. Aber ich habe gelesen, dass es normal ist, dass Covid-Patienten auch nach dem Abklingen der Krankheit noch Symptome haben, also war das wohl kein grosses Problem. Obwohl ich einiges an Gewicht verloren hatte, etwa 5-7 kg, war ich einfach nur froh, dieses schreckliche Virus überlebt zu haben und nach Sawinggrai zurückkehren zu können.


Zum Glück haben wir uns alle von Covid erholt, sind wieder in Sawinggrai versammelt und haben unsere Rolle als Erzieher hier wieder aufgenommen. Die Kinder und die Dorfbewohner scheinen auch eine Herdenimmunität erworben zu haben. Es war ein schlechter Start für die Schule und für alle Lehrer, aber wir sind alle heil davon gekommen, haben überlebt und setzen unsere Arbeit fort. Das war meine erste Erfahrung mit einer schweren Krankheit weit weg von der Stadt, weit weg von einer richtigen medizinischen Einrichtung. Erlauben Sie mir, Ihnen einige Ratschläge zu geben, bevor Sie in eine abgelegene Gegend fahren: bereiten Sie Ihren Körper vor, stellen Sie sicher, dass Sie gesund sind und nehmen Sie auch Vitamine. Es kann nicht schaden, besonders vorsichtig zu sein, wenn es um Ihre eigene Gesundheit geht. Hatten Sie schon einmal eine schwere Krankheit, als Sie in einer abgelegenen Gegend waren?

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